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Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.                                                                                               Johannes 14, 23-26

Liebe Geschwister und Freunde!

Diese Verse aus dem Johannes Evangelium sind ein Teil von Jesu Abschiedsreden, die er seinen Jüngern am Vorabend seines Leidens und Sterbens gehalten hat. Jesus bereitete dadurch seine Jünger darauf vor, dass er von ihnen gehen würde. Zunächst durch sein bevorstehendes Leiden und Sterben, dann aber auch durch seine Himmelfahrt, seinen Weggang von dieser Welt in die Welt Gottes. Das bedeutete für die Jünger, die dann als Apostel in die Welt hinausgehen würden, ganz andere Lebensbedingungen als bis dahin. Sie würden Jesus nicht mehr persönlich-leiblich begegnen und damit ergibt sich die Frage, wie sich das Leben der Jünger in Zukunft gestalten würde.

Wir lesen in den Versen zuvor, dass Jesus sagte: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren“ (Joh 14,21). Daraufhin fragte ihn Judas – nicht der Iskariot, der ihn verriet: „Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?“ (Joh 14, 22)
Jesus will nun mit seiner Antwort sagen, dass er sich nur denen offenbart, die ihn lieben, indem sie an seinem Wort festhalten. Anders aber als die Propheten, die vom Geist Gottes inspiriert das Wort Gottes bezeugten, ist Jesus selbst das Wort Gottes. In ihm gewann die Offenbarung Gottes eine neue Qualität, denn so unmittelbar und leibhaftig greifbar war Gott bis dahin in seinem Wort noch nie erschienen. Nur denen, die an Jesu Wort festhalten und somit ihn und den Vater lieben, und nicht der Welt, die Jesu Wort ablehnt, offenbart Jesus sich. Bei ihnen nehmen der Vater und der Sohn Wohnung. Ihnen wird die Offenbarung der Liebe Jesu und des Vaters zuteil. Das geschieht durch den verheißenen Heiligen Geist.
Dieser Geist Gottes, so sagt Jesus, würde sie alles lehren und sie an alles erinnern, was er zu ihnen gesagt habe. Das bezieht sich zunächst einmal auf die besondere Aufgabe der Apostel, die Worte Jesu aufzuschreiben. Um die Apostel als menschliche Fehlerquelle auszuklammern, hat Gott sie durch den H.G. so geleitet, dass Irrtum und Fehler in ihrer Darstellung ausgeschlossen werden konnten. Jesus verhieß ihnen ausdrücklich den Beistand des H.G. Später sollten dann noch die Wahrheiten hinzukommen, die uns in den übrigen Schriften des NT vorliegen. Sie sind allesamt vom H.G. inspiriert. Somit dürfen wir festhalten:
Das Wort der Apostel und Jünger Jesu, das uns im Neuen Testament überliefert ist, die Evangelien und die Apostelgeschichte, die Briefe und die Offenbarung des Johannes, bieten uns die ganze Breite der apostolischen Verkündigung und bilden die Grundlage der Predigt und des Glaubens der ganzen Gemeinde Jesu. Durch die Apostel wird uns zuverlässig überliefert, was Jesus gesagt und getan hat. Auf diesem absolut sicheren Fundament für unser Glaubensleben will der H.G. uns die Person und das Werk unseres Herrn Jesus mehr und mehr aufschließen. Als Jesus dies sagte, war der H.G. noch nicht gekommen; es war ja noch vor seiner Passion.

Aber etwas mehr als sieben Wochen später, an Pfingsten, kam der H.G., wie uns in der Apostelgeschichte berichtet wird. Er führte die vormals ängstlichen und zweifelnden Jünger zu einer klaren und unverfälschten Einsicht in das Werk ihres Herrn. Die Aussage unseres Herrn Jesus „wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ ist ohne Zweifel etwas vom Größten, was die neutestamentliche Heilsordnung zu bieten hat: Gott kommt im H.G. zum Menschen, um in ihm zu wohnen. Der H.G. ist nicht eine gestaltlose Kraft, die irgendetwas Positives bewirkt. Er ist eine Person - die dritte Person der Gottheit - die in ihrem verborgenen Wirken die gesamte Schöpfung erhält und in den Menschen, die zu Jesus gehören, Wohnung nimmt. Er tut es in und mit dem biblischen Wort. Hier redet Gott in klaren und verständlichen Worten, so dass der Mensch Christus erkennen kann. Mit dem Wort schafft der H.G. den Glauben im Herzen des Menschen. Er tut dieses göttliche Werk beim Hören auf Gottes Wort, wenn Gott nach seinem ewigen Heils- und Erwählungsratschluss dem Menschen das Herz aufschließt. Durch den Empfang des H.G. erhält der Mensch Anteil an Christus und seinem ewigen Heil.

Beim Wirken des H.G. geht es in erster Linie um die Erkenntnis Jesu Christi und seines Heilswerkes. Diese kommt aus dem apostolischen Wort. Das Hören auf dieses Wort bewirkt eine immer größere Liebe zu unserem Herrn Jesus und seinem Wort. Man kann nur jemanden lieben, den man auch kennt. Jesus sagt „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten“ und fügt hinzu: „Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.“ Es besteht also, um es noch einmal zu betonen, ein enger Zusammenhang zwischen der Liebe zu Gott und seinem Sohn Jesus Christus einerseits und dem Festhalten an seinem Wort andererseits.

An seinem Wort festzuhalten, heißt zunächst, die biblische Botschaft ohne Abstriche als Gottes Wort anzunehmen oder ihr etwas hinzuzufügen (Mt.5. 18+19; Offb. 22,18+19).
Ferner gilt es, das Wort Gottes unter der Leitung des H.G. immer besser zu verstehen, den Willen Gottes immer klarer zu erkennen und ihn auf das persönliche Glaubensleben anzuwenden. Wir dürfen uns nicht über unbequeme Wahrheiten hinwegsetzen, sondern müssen das ganze Wort Gottes ernst nehmen. Dabei gilt es immer wieder, uns daran zu erinnern, dass Christus die Mitte des Wortes Gottes ist.
Die Erkenntnis der Liebe und Gnade Gottes in Christus führt uns auch immer mehr dazu, dem Liebesgebot Jesu nachzukommen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt“ (Joh 13,34). Die Liebe ist eine Frucht der Erkenntnis Christi und des Glaubens. Gott will also, dass wir unseren Mitmenschen in der Liebe Christi begegnen.

Es ist allein eine Gabe des Heiligen Geistes, wenn wir uns an sein Wort erinnern und es zur Wegweisung nehmen bei den vielen kleinen und den wenigen großen Entscheidungen unseres Lebens. Es ist eine Frucht des Heiligen Geistes, wenn in einer christlichen Gemeinde gegenseitige Liebe das Miteinander bestimmt und nicht Zank, Neid und Streit. Bei alledem wollen wir bedenken, dass im H. G. Gott selbst durch Jesus Christus in uns wohnt, so dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist. Mit diesem Blick wollen wir Pfingsten in diesem Jahr begehen.

Herzliche Segenswünsche
Euer / Ihr
Frank Bernhardt